Grundöl-Dicke - Was sind die Ausschlaggebenden Werte?

    This site uses cookies. By continuing to browse this site, you are agreeing to our Cookie Policy.

    • Grundöl-Dicke - Was sind die Ausschlaggebenden Werte?

      Hallo zusammen.

      Also ich habe mich durch die obligatorischen Themen (ABC der Sch..., CCS, kin. Visko,..., HTHS was ist das)"gekämpft". :überleg:

      Nun hab ich da raus gelesen, dass ein "dickeres" Grundöl, eine - nenne wir es mal - beständigere Qualität liefert, als ein mit viel
      Additiven versetztes "dünneres" Grundöl.

      Diese Additive haben - wenn ich das richtig verstanden habe - nicht nur Vorteile (wie erhöhter HTHS und VI usw.), sondern fördern auch Sachen wie
      • steigenden Verdampfungsverlust (Noack)
      • Verkokung
      • ...
      Darum eher zu einem "dickeren" Öl in der vorgegebenen SAE-Klasse greifen.


      Was mir aber noch nicht 100% klar ist:
      Was genau ist denn nun die Dicke des (Grund)öls??

      Ist damit auch nur die Viskosität bei einer bestimmten (eher niedrigen) Temperatur gemeint,
      oder geht es darum, was wirklich im Öl alles drinnen ist?

      Es wird sich anscheinend immer auf die CCS bezogen.
      Die CCS ist doch auch (nur) eine Viskositätsangabe, nämlich die dynamische?

      Bezieht sich diese immer auf das Grundöl?
      Sprich: bleibt die CCS trotz Additiven immer auf dem Level des Grundöls, und kann ich in den Technischen Datenblätter von diesem Wert auf die dicke (und Verlässlichkeit) des (Grund)-Öls schließen?
      z.B.: Wasser ("GrundÖl" welches ja recht "dünn" wäre) + Zucker-"Additiv" = dickeres Öl-Fabrikat??


      Danke.

      MfG
      Tom

      :hotdrink:
      Skyactiv 2.0 Benziner des Mazda 3 (2016)
      :rav: ECS 0W-20 (Winter)
      :rav: DXG 5W-30 (Sommer)


      Beratungsthread: Motoröl für Skyactiv 2.0 120PS (Mazda 3)
      Öl- und Analyse-Historie: klick
    • Das Grundöl bzw. die Grundöle (es werden ja bei Synthetiköl mehrere Grundöle gemischt) hat eine gewisse "natürliche" Viskosität. Diese wird bei niedrigen Temperaturen nicht beeinflusst z.B. von den VI Verbesserern.
      Die Viskosität wird bei genormten Temperaturen gemessen, bei 0W bei -35°C, bei 5W bei -30°C und so weiter, so sind ja die xW Klassen definiert.

      Die Winterklasse bzw. deren Messwert ist demnach mit der unbeeinflussten Dicke des Grundöles gleichzusetzen.


      Die VI-Verbesserer lassen auch ein dünnes 0W- Grundöl eine hohe Viskosität bei 100°C erreichen. Weil es sich bei den VI Verbesserern um lange, verzweigte Molekülknäuel handelt, werden diese durch Scherung, Temperatur und Alterung mit der Zeit unweigerlich zerhackt. Im Extremfall nähert sich die Heißviskosität immer mehr der des Grundöles an.

      Ein dickeres Grundöl braucht weniger VI Verbesserer, und kann nicht so schnell durch starke Belastung dünner werden. Es ist bei hohen Temperaturen und Scherungen stabiler.
    • Das Thema würde ich gern noch einmal aufgreifen und an einem konkreten Beispiel betrachten. Ich bin an einem ähnlichen Punkt wie bm-g120 damals.

      Als Beispiel nehme ich mal das Ravenol HLS 5W-30 und das Ravenol REP 5W-30:
      EigenschaftHLSREP
      Visko @40°C72,773,4
      Visko @100°C12,212,2
      HTHS3,513,7
      Pourpoint-39-60
      Flammpunkt234240
      NOACK8,56,2
      CCS5.2164.301



      Wenn ich es korrekt verstanden habe, lässt die CCS Rückschlüsse auf die Dicke des Grundöls zu. Somit müssten die Grundöle des REP deutlich dünner sein als beim HLS, was auch den niedrigen Pourpoint erklärt.
      Da das "dünnere" REP aber die gleiche Visko bei 100°C hat und außerdem einen höheren HTHS, könnte man vermuten, dass beim REP einfach viel mehr VI-Verbesserer eingesetzt wurden und das Öl somit schneller abbaut bzw. zu mehr Ablagerungen führt als das HLS? Das erklärt aber nicht den herausragenden NOACK von 6,2. Wenn das REP also tatsächlich nur ein dünnes Grundöl mit viel VI-Verbesserer wäre, müsste doch der NOACK eher höher sein als beim HLS?

      Die einzige Erklärung wäre für mich, dass der Grundölmix des REP zwar dünner ist, aber trotzdem im Hochtemperaturbereich eine bessere Beständigkeit aufweist. Könnte man also schlussfolgern, dass das REP einfach einen qualitativ besseren Grundölmix bietet und deshalb auch ohne viel VI-Verbesserer sowohl im Hoch- als auch im Tieftemperaturbereich dem HLS überlegen ist (was ich mir irgendwie schwer vorstellen kann)?

      Bis jetzt dachte ich eigentlich, dass ein dickeres Grundöl (höhere CCS) bei sonst vergleichbaren Eigenschaften zu bevorzugen ist, da es auf einen geringeren Anteil an Polymeren hindeutet und somit unter Last dauerhaft stabiler bleibt und es zu weniger Ablagerungen kommen sollte? Das REP scheint da aber aus der Reihe zu fallen bzw. das kann ich mit meinem bisherigen Wissen nicht erklären.
    • Da hast bereits die richtigen Schlüsse gezogen. Das REP hat das bessere Basisöl. Es ist ein vollsynthetisches PAO Öl und hat eben auch bei gleichem oder dünnerem Grundöl bessere Eigenschaften als das HLS, welches maßgeblich auf HC Gruppe III aufbauen wird. Zumal der Unterschied in der Basisöldicke gering ist.

      Bei gleichem Grundöl ist die Basisöldicke dann deutlich entscheidender.

      Als gutes Beispiel, im E34 M50 Thread fährt der TE ein teilsynthetisches 10W40 mit einer KV100 von stolzen 15mm²/s und deutlich dickerem Grundöl (10W), trotzdem hat das Öl "nur" einen HTHS von 3,7. Mineralöl kann in den Eigenschaften da nicht mithalten.

      Gruß

      Karsten
    • KV40°C und KV100°C sowie der Viskositätsindex, der aus diesen beiden Werten berechnet wird, sind nur die halbe Wahrheit. Diese Daten sind bei beiden Ölen fast identisch.

      HTHS und Pourpoint sind die extremstellen am äußeren Ende, da läuft die Kurve bei vollsynthetischen Ölen flacher. Das einheitlich aufgebaute Vollsynthetische Öl spielt hier seine Vorteile aus.

      PP ist eher unrelevant, aber HTHS und deren Stabilität ist bei anspruchsvollen Motoren ein wichtiger Kennwert zum Motorschutz. Man kann eben ein noch relativ dünnes Öl fahren, das trotzdem höchsten Belastungen stand hält.

      Dickeres Grundöl erfüllt darüber hinaus den selben Zweck, leider sind die vollsynthetischen 10W Öle bis auf ein paar Exoten außer Mode gekommen.
    • Angenommen man möchte zwei Öle unterschiedlicher Kaltviskositäten auf Ihre Basisöldicke mit einander vergleichen z.B. ein relativ dickes 0W Öl mit 6000mPas @-35° und ein relativ dünnes 5W Öl mit 4200mPas @-30°.

      Welches der Öle enthält das dickere Basisöl?

      Ich meine hier irgednwo einen Ansatz gesehen zu haben, dass das 5W jetzt um den Faktor 2 mit 8400mPas @-35° liegen würde und damit das dickere Basisöl enthalten würde.
      Kann man das in etwa so sehen, oder ist der Ansatz völlig falsch?

      Dadurch wäre das für die 5W Klasse relativ dünne Basisöl immer noch dicker als das dicke Basisöl der 0W Klasse.
    • SAE Grenzwerte

      0W erlaubt max. 6200 mPas @ -35°C. Alles was darüber ist, muss als 5W eingestuft werden.
      Somit ist auch ein 5W mit 4200 mPas @ -30°C dicker als ein 0W.

      Bei 5W zu 10W verhält es sich genauso.